Anlassofen: Funktionsweise, Temperaturbereiche und industrielle Anwendungen
Ein frisch gehärtetes Stahlteil ist extrem hart, aber auch spröde und steht unter hohen inneren Spannungen. Erst das Anlassen macht daraus ein belastbares Bauteil. Der Anlassofen ist deshalb in jeder Härterei, in jedem Werkzeugbau und in vielen Produktionsbetrieben unverzichtbar. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie ein Anlassofen funktioniert, welche Anlasstemperaturen für welche Werkstoffe üblich sind und worauf Sie bei der Auswahl achten sollten.Inhalt
- Was ist ein Anlassofen?
- Warum muss gehärteter Stahl angelassen werden?
- Funktionsweise und Aufbau eines Anlassofens
- Temperaturbereiche beim Anlassen
- Haltezeit, Mehrfachanlassen und Abkühlung
- Anlassofen, Härteofen und Glühofen im Vergleich
- Bauarten von Anlassöfen
- Industrielle Anwendungen
- Auswahlkriterien: So finden Sie den passenden Anlassofen
- Top 5 Umluft-Kammeröfen zum Anlassen
- Typische Fehler beim Anlassen
- Häufige Fragen
Was ist ein Anlassofen?
Ein Anlassofen ist ein Industrieofen, in dem gehärtete Bauteile nach dem Abschrecken kontrolliert auf eine Temperatur unterhalb der Umwandlungstemperatur (Ac1) erwärmt, dort gehalten und anschließend abgekühlt werden. Typische Anlasstemperaturen liegen je nach Werkstoff und Ziel zwischen etwa 150 °C und 700 °C. Die Schreibweisen „Anlaßofen“ (alte Rechtschreibung) und „Anlass-Ofen“ bezeichnen dasselbe Gerät; im Englischen spricht man von einem tempering furnace.
Das Anlassen ist der zweite Schritt eines zweistufigen Prozesses: Zuerst wird der Stahl im Härteofen austenitisiert und abgeschreckt, danach wird er im Anlassofen auf die gewünschte Gebrauchshärte und Zähigkeit eingestellt. Härten und Anlassen zusammen bei höheren Anlasstemperaturen bezeichnet man als Vergüten.
Weil Anlasstemperaturen im Vergleich zum Härten niedrig sind, arbeiten moderne Anlassöfen fast immer mit erzwungener Luftumwälzung (Umluft). Nur so lässt sich die Wärme im Bereich unter etwa 600 °C schnell und gleichmäßig auf die gesamte Charge übertragen.
Warum muss gehärteter Stahl angelassen werden?
Beim Härten entsteht durch das schnelle Abschrecken aus dem Austenitgebiet Martensit, ein stark verzerrtes, übersättigtes Gefüge. Martensit ist sehr hart, im unbehandelten Zustand aber spröde. Hinzu kommen hohe Eigenspannungen aus dem Temperaturgefälle beim Abschrecken und aus der Volumenzunahme bei der Gefügeumwandlung. Ein Werkzeug in diesem Zustand kann bereits bei geringer Schlagbelastung brechen oder sogar ohne äußere Last reißen (Spannungsrisse).
Beim Anlassen laufen im Gefüge mehrere Vorgänge ab:
- Ausscheidung feinster Carbide: Kohlenstoff, der im Martensit zwangsgelöst ist, scheidet sich als Carbid aus. Das Gitter entspannt sich, der Werkstoff wird zäher.
- Abbau von Eigenspannungen: Die inneren Spannungen aus dem Härten werden deutlich reduziert, das Risiko von Rissen und Verzug im späteren Einsatz sinkt.
- Umwandlung von Restaustenit: Nicht umgewandelter Austenit zerfällt bei höheren Anlasstemperaturen. Das verbessert die Maßstabilität, was besonders bei Messmitteln, Lagern und Präzisionswerkzeugen wichtig ist.
- Sekundärhärtung: Bei hochlegierten Stählen (z. B. Schnellarbeits- und Warmarbeitsstählen) bilden sich im Bereich um 500–600 °C Sondercarbide, die die Härte sogar wieder ansteigen lassen.
Das Grundprinzip lautet: Je höher die Anlasstemperatur, desto mehr Härte wird gegen Zähigkeit eingetauscht. Die Kunst des Anlassens besteht darin, für jedes Bauteil genau den Punkt zu treffen, an dem Verschleißfestigkeit und Bruchsicherheit im richtigen Verhältnis stehen.
Funktionsweise und Aufbau eines Anlassofens
Ein industrieller Anlassofen ist im Kern ein gut isolierter Ofenraum mit elektrischer Beheizung, einem leistungsstarken Umwälzsystem und einer präzisen Regelung. Die wichtigsten Baugruppen:
Gehäuse und Wärmedämmung
Ein stabiler Stahlrahmen trägt eine mehrschichtige Isolierung aus Mineralfaser- oder Keramikfaserplatten. Eine gute Dämmung hält die Außentemperatur niedrig, senkt den Energieverbrauch und sorgt dafür, dass die Temperatur im Nutzraum stabil bleibt.
Heizsystem
Elektrische Heizelemente, meist Rohrheizkörper oder offene Heizwendeln, werden so im Luftstrom angeordnet, dass die Wärme nicht direkt auf die Charge strahlt, sondern über die Umluft verteilt wird. Das verhindert lokale Überhitzung an Kanten und dünnen Querschnitten.
Luftumwälzung
Das Herzstück jedes Anlassofens ist der Umwälzventilator mit Luftleitblechen. Der physikalische Hintergrund: Wärmestrahlung nimmt mit der vierten Potenz der absoluten Temperatur zu. Bei 1000 °C erfolgt die Wärmeübertragung überwiegend durch Strahlung, bei 200–600 °C dagegen ist sie vergleichsweise schwach. Ohne Umwälzung würden die äußeren Teile einer Charge deutlich schneller warm als die inneren. Die erzwungene Konvektion gleicht das aus und verkürzt gleichzeitig die Durchwärmzeit. Die Umluft-Kammeröfen bis 750 °C sind genau für diesen Temperaturbereich ausgelegt.
Regelung und Dokumentation
Ein programmierbarer Regler steuert Aufheizrampe, Haltezeit und Abkühlung. Thermoelemente im Ofenraum, optional auch Chargenthermoelemente direkt am Bauteil, liefern die Istwerte. Für Qualitätssicherung und Audits ist eine Datenaufzeichnung der Temperaturkurve heute Standard.
Tür und Beladung
Je nach Bauart wird von vorne mit Gabelstapler oder Hubwagen beladen, über einen ausfahrbaren Herdwagen oder von oben (Schachtofen). Eine dichte Tür mit Mehrpunktverriegelung verhindert Wärmeverluste und kalte Zonen im Türbereich.
Ablauf eines Anlasszyklus
- Beladen: Die gehärteten Teile werden möglichst bald nach dem Abschrecken eingesetzt, mit Abstand zueinander, damit die Umluft alle Oberflächen erreicht.
- Aufheizen: Der Ofen fährt mit definierter Rampe auf Anlasstemperatur. Bei großen oder komplexen Teilen verhindert eine moderate Rampe neue Spannungen.
- Durchwärmen und Halten: Die Haltezeit beginnt erst, wenn auch der Kern des dicksten Querschnitts die Solltemperatur erreicht hat.
- Abkühlen: In der Regel an ruhender Luft oder im Ofen. Bei manchen Stählen ist eine beschleunigte Abkühlung sinnvoll (siehe Anlassversprödung).
- Wiederholen: Hochlegierte Werkzeugstähle werden zwei- bis dreimal angelassen.
Temperaturbereiche beim Anlassen
Die richtige Anlasstemperatur hängt vom Werkstoff, von der gewünschten Endhärte und vom Einsatzzweck ab. Maßgeblich ist immer das Anlassschaubild aus dem Datenblatt des Stahlherstellers. Die folgende Übersicht zeigt übliche Bereiche als Orientierung.
| Bereich | Temperatur | Typische Werkstoffe und Bauteile | Wirkung |
|---|---|---|---|
| Niedrigtemperatur-Anlassen | ca. 150–250 °C | Einsatzgehärtete Zahnräder und Wellen, Wälzlagerstahl (z. B. 100Cr6), Kaltarbeitsstähle, Messer und Schneidwerkzeuge | Hohe Härte bleibt weitgehend erhalten, Eigenspannungen werden abgebaut, Bruchgefahr sinkt |
| Mitteltemperatur-Anlassen | ca. 350–500 °C | Federstähle, Schlag- und Stanzwerkzeuge, Teile mit hoher Stoßbelastung | Deutlich höhere Zähigkeit und Elastizität bei mittlerer Härte |
| Hochtemperatur-Anlassen (Vergüten) | ca. 500–700 °C | Vergütungsstähle (z. B. 42CrMo4), Warmarbeitsstähle (z. B. 1.2344), Schnellarbeitsstähle (Sekundärhärte-Anlassen), Schmiedeteile | Optimale Kombination aus Festigkeit und Zähigkeit, bei hochlegierten Stählen Sekundärhärte |
Achtung, Anlassversprödung: Viele Stähle zeigen beim Anlassen im Bereich von etwa 250–400 °C eine verringerte Kerbschlagzähigkeit (Martensit-Anlassversprödung). Bestimmte legierte Stähle neigen zusätzlich zur Versprödung, wenn sie langsam durch den Bereich von etwa 350–575 °C abgekühlt werden. Diese Bereiche sollten gemieden oder schnell durchlaufen werden. Die genauen Grenzen stehen im Werkstoffdatenblatt.
Anlassfarben als grobe Orientierung
Blanke Stahloberflächen bilden beim Erwärmen an Luft eine dünne Oxidschicht, deren Farbe sich mit der Temperatur ändert. Früher wurde die Anlasstemperatur in der Schmiede anhand dieser Farben abgeschätzt. Für die industrielle Praxis sind sie zu ungenau, weil die Farbe auch von Haltezeit, Legierung und Oberflächenzustand abhängt, aber sie helfen bei der Plausibilitätsprüfung.
200 °C220 °C230 °C250 °C260 °C280 °C290 °C300 °C320 °C340 °C
Anlassfarben von unlegiertem Stahl (Richtwerte): hellgelb, strohgelb, goldgelb, braun, purpurrot, violett, dunkelblau, kornblumenblau, hellblau, grau.
Haltezeit, Mehrfachanlassen und Abkühlung
Wie lange wird angelassen?
Temperatur und Zeit sind beim Anlassen austauschbar: Eine etwas niedrigere Temperatur mit längerer Haltezeit kann eine ähnliche Wirkung haben wie eine höhere Temperatur mit kürzerer Zeit. Dieser Zusammenhang wird in der Werkstofftechnik mit dem Hollomon-Jaffe-Parameter beschrieben. In der Praxis gilt als Faustregel: mindestens ein bis zwei Stunden Haltezeit nach vollständiger Durchwärmung, bei dicken Querschnitten etwa eine Stunde je 25 mm Wanddicke. Werkstoffspezifische Angaben des Stahlherstellers haben immer Vorrang.
Wann wird angelassen?
So schnell wie möglich nach dem Härten. Bei Werkzeugstählen wird empfohlen, die Teile anzulassen, sobald sie nach dem Abschrecken auf etwa 50–80 °C abgekühlt sind, also handwarm. Bleiben gehärtete Teile längere Zeit ohne Anlassen liegen, steigt das Risiko von Spannungsrissen deutlich.
Warum zwei- oder dreimal anlassen?
Bei hochlegierten Kalt-, Warm- und Schnellarbeitsstählen wandelt sich Restaustenit erst während des Abkühlens nach dem ersten Anlassen in frischen, spröden Martensit um. Dieser muss durch ein zweites Anlassen wiederum angelassen werden. Schnellarbeitsstähle werden deshalb üblicherweise dreimal angelassen. Dazwischen müssen die Teile jeweils auf Raumtemperatur abkühlen. Ein Anlassofen mit gutem Programmregler, der mehrere Zyklen automatisch fährt, spart hier viel Personalaufwand.
Wie wird abgekühlt?
Die meisten Stähle werden nach dem Anlassen an ruhender Luft abgekühlt. Bei Stählen mit Neigung zur reversiblen Anlassversprödung wird dagegen beschleunigt abgekühlt, etwa in Öl oder Wasser, um den kritischen Temperaturbereich schnell zu durchlaufen.
Anlassofen, Härteofen und Glühofen im Vergleich
Die Begriffe werden oft vermischt, weil manche Öfen mehrere Prozesse abdecken. Die Unterschiede liegen vor allem im Temperaturbereich und in der Art der Wärmeübertragung.
| Merkmal | Anlassofen | Härteofen | Glühofen |
|---|---|---|---|
| Typische Temperatur | 150–700 °C | 750–1300 °C | 500–1100 °C (je nach Glühart) |
| Wärmeübertragung | Überwiegend Konvektion (Umluft) | Überwiegend Strahlung | Strahlung oder Umluft |
| Ziel | Zähigkeit einstellen, Spannungen abbauen | Austenitisieren vor dem Abschrecken | Gefüge verändern, Spannungen abbauen, weich machen |
| Position im Prozess | Nach dem Härten | Vor dem Abschrecken | Vor oder nach der Bearbeitung |
| Passende Produktlinie | Umluft-Kammeröfen | Kammeröfen bis 1300 °C | Beide, je nach Temperatur |
Ein Umluftofen bis 650 °C oder 750 °C deckt neben dem Anlassen häufig auch Spannungsarmglühen, Warmauslagern von Aluminium, Vorwärmen vor dem Schweißen und das Tempern von Kunststoffen ab. Für das Härten selbst ist dagegen ein Hochtemperatur-Kammerofen nötig.
Bauarten von Anlassöfen
Kammeröfen mit Umluft
Die häufigste und flexibelste Bauart. Der Ofenraum wird über eine Fronttür beladen, oft mit Chargiergestellen oder Körben. Kammeröfen gibt es von rund 100 Litern für den Werkzeugbau bis zu mehreren tausend Litern für große Chargen. Eine Übersicht bietet die Kategorie Umluft-Kammeröfen.
Herdwagenöfen
Bei schweren oder sperrigen Bauteilen wie Schweißkonstruktionen, Gesenken oder großen Schmiedeteilen fährt der Ofenboden als Wagen aus dem Ofen heraus. So kann die Charge bequem per Kran beladen werden. Herdwagenöfen gibt es als Umluftvarianten für das Anlassen und als Hochtemperatur-Herdwagenöfen für Härten und Glühen.
Begehbare Öfen
Für sehr große Chargen oder lange Bauteile werden begehbare Öfen eingesetzt, die mit Chargierwagen befahren werden. Sie sind vor allem im unteren Temperaturbereich verbreitet, etwa zum Trocknen, Aushärten und Warmauslagern.
Schachtöfen
Lange Wellen, Stangen oder Rohre werden hängend von oben in einen Schachtofen eingesetzt. Das minimiert den Verzug langer, schlanker Teile.
Durchlauföfen
In der Serienfertigung, etwa bei Schrauben, Federn oder Kleinteilen, laufen die Teile auf einem Band oder Rollenherd kontinuierlich durch den Ofen, häufig direkt gekoppelt mit einer Härtelinie.
Laboröfen
Für Anlassversuche, Werkstoffprüfung und Kleinstmengen genügen kompakte Labor-Kammeröfen oder Muffelöfen. Für echte Anlassprozesse ist jedoch auch im Labor ein Gerät mit Luftumwälzung zu bevorzugen, weil die Temperaturverteilung im unteren Bereich sonst ungleichmäßig ist.
Industrielle Anwendungen
- Werkzeug- und Formenbau: Anlassen von Stanzwerkzeugen, Schneidplatten, Druckgussformen und Schmiedegesenken, bei hochlegierten Stählen in mehreren Zyklen.
- Automobil- und Getriebeindustrie: Niedrigtemperatur-Anlassen einsatzgehärteter Zahnräder, Nockenwellen und Kolbenbolzen, Vergüten von Achsteilen und Verbindungselementen.
- Luft- und Raumfahrt: Anlassen hochfester Stähle unter strengen Anforderungen an Temperaturgleichmäßigkeit und Dokumentation, z. B. nach AMS 2750. Mehr dazu unter Lösungen für die Industrie.
- Federnherstellung: Anlassen von Blatt-, Schrauben- und Tellerfedern auf hohe Elastizitätsgrenze bei ausreichender Zähigkeit.
- Wälzlagerindustrie: Maßstabilisierendes Anlassen von Ringen und Wälzkörpern, damit sich die Abmessungen im Betrieb nicht verändern.
- Schneidwaren und Handwerkzeuge: Messer, Scheren, Meißel und Schraubendreher erhalten ihre Kombination aus Schneidhaltigkeit und Bruchsicherheit.
- Schmiede- und Gießereibetriebe: Vergüten von Schmiedeteilen und Stahlguss sowie Spannungsarmglühen nach dem Richten.
- Additive Fertigung: Wärmebehandlung gedruckter Metallteile, um Eigenspannungen aus dem Bauprozess abzubauen.
- Maschinen- und Anlagenbau: Spannungsarmglühen von Schweißkonstruktionen im gleichen Ofen, der auch für das Anlassen genutzt wird.
Auswahlkriterien: So finden Sie den passenden Anlassofen
- Maximaltemperatur mit Reserve: Wählen Sie die Tmax so, dass Ihre höchste Prozesstemperatur deutlich darunter liegt. Wer bis 600 °C vergütet, ist mit einer 650-°C- oder 750-°C-Ausführung gut aufgestellt. Wer nur niedrig anlässt, kommt mit 450 °C aus und spart Anschaffungs- und Energiekosten.
- Temperaturgleichmäßigkeit: Definieren Sie, welche Toleranz im Nutzraum gelten muss, etwa ±5 K. In regulierten Branchen wird die Gleichmäßigkeit nach Normen wie AMS 2750 (Ofenklassen) oder DIN 17052-1 nachgewiesen.
- Nutzraum und Chargengewicht: Planen Sie 10–20 % Reserve ein und berücksichtigen Sie Chargiergestelle. Achten Sie auf die zulässige Bodenbelastung.
- Umwälzung und Luftführung: Horizontale oder vertikale Luftführung sollte zur Geometrie Ihrer Teile passen. Dicht gepackte Chargen brauchen eine kräftige Umwälzung.
- Heizleistung: Mehr kW bedeuten kürzere Aufheizzeiten, gerade bei schweren Chargen. Das beeinflusst direkt den Durchsatz.
- Steuerung: Programmregler mit Rampen, Haltezeiten und mehreren Segmenten sind Pflicht, für Mehrfachanlassen idealerweise mit Zyklus-Wiederholung. Datenlogging und Exportfunktionen erleichtern Audits.
- Abkühlung: Eine Zwangsabkühlung über Klappen oder Frischluft verkürzt Zykluszeiten, besonders beim Mehrfachanlassen.
- Beladekonzept: Frontbeladung, Herdwagen oder Schachtofen hängen von Gewicht und Form der Bauteile ab.
- Schutzgas-Option: Wenn blanke Oberflächen ohne Anlauffarben gefordert sind, kann eine Schutzgaseinleitung (z. B. Stickstoff) sinnvoll sein.
- Energieeffizienz und Service: Gute Dämmung und dichte Türen senken die Betriebskosten über viele Jahre. Achten Sie auf Ersatzteilverfügbarkeit und kurze Lieferzeiten.
Wenn kein Standardmodell passt, etwa wegen besonderer Abmessungen, Schutzgas, Mehrzonenregelung oder Automatisierung, lohnt sich ein Blick auf maßgeschneiderte Ofenlösungen.
Top 5 Umluft-Kammeröfen zum Anlassen
Die folgenden fünf Modelle aus der Produktlinie der Umluft-Kammeröfen decken die typischen Anforderungen vom Werkzeugbau bis zur Serienproduktion ab. Alle arbeiten mit forcierter Luftzirkulation und 400 V Anschlussspannung.
| Modell | Volumen | Tmax | Kammer B × T × H | Leistung | Geeignet für |
|---|---|---|---|---|---|
| SNOL 125/450 | 125 l | 450 °C | 500 × 500 × 500 mm | 8 kW | Niedrigtemperatur-Anlassen, Werkzeugbau |
| SNOL 500/650 | 500 l | 650 °C | 700 × 700 × 1000 mm | 16 kW | Universeller Anlass- und Vergütungsofen |
| SNOL 970/750 | 970 l | 750 °C | 900 × 900 × 1200 mm | 32 kW | Hochtemperatur-Anlassen, Spannungsarmglühen |
| SNOL 1000/650 | 1000 l | 650 °C | 1000 × 1000 × 1000 mm | 25 kW | Große Chargen, Gitterboxen |
| SNOL 2200/650 | 2200 l | 650 °C | 1000 × 1500 × 1500 mm | 45 kW | Serienproduktion, schwere Chargen |
1. SNOL 125/450: kompakter Anlassofen für den Werkzeugbau
125 l · Tmax 450 °C · Kammer 500 × 500 × 500 mm · 8 kW
Der kompakte Einstieg für Betriebe, die überwiegend im Niedrig- und Mitteltemperaturbereich anlassen: Messer, Kaltarbeitswerkzeuge, einsatzgehärtete Kleinteile und Federn. Der würfelförmige Nutzraum lässt sich gut mit Körben bestücken, der Energiebedarf ist gering. Für Betriebe, die gelegentlich auch vergüten, ist die Variante SNOL 125/650 mit gleicher Kammergröße eine Alternative.
Technische Daten des SNOL 125/450 ansehen
2. SNOL 500/650: der Allrounder zum Anlassen und Vergüten
500 l · Tmax 650 °C · Kammer 700 × 700 × 1000 mm · 16 kW
Mit 650 °C deckt dieser Ofen praktisch alle gängigen Anlassaufgaben ab, vom Niedrigtemperatur-Anlassen bis zum Vergüten von Vergütungsstählen und dem Mehrfachanlassen von Warmarbeitsstählen. Der hohe Nutzraum eignet sich gut für gestapelte Chargen und längere Teile. Für viele Härtereien und Werkzeugbauer ist diese Größe der Standard-Anlassofen neben dem Härteofen.
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3. SNOL 970/750: Reserve für Hochtemperatur-Anlassen
970 l · Tmax 750 °C · Kammer 900 × 900 × 1200 mm · 32 kW
Wer im oberen Anlassbereich arbeitet oder denselben Ofen auch zum Spannungsarmglühen von Schweißkonstruktionen nutzt, profitiert von der Temperaturreserve bis 750 °C. Die hohe Heizleistung verkürzt die Aufheizzeit auch bei schweren Chargen. Der Ofen eignet sich für Schmiedeteile, Gesenke und das Anlassen von Schnellarbeitsstählen im Sekundärhärtebereich.
Technische Daten des SNOL 970/750 ansehen
4. SNOL 1000/650: Kubikmeter-Nutzraum für große Chargen
1000 l · Tmax 650 °C · Kammer 1000 × 1000 × 1000 mm · 25 kW
Der würfelförmige Nutzraum von einem Kubikmeter passt gut zu Standard-Gitterboxen und Chargiergestellen. Damit ist der Ofen ideal für Lohnhärtereien und Produktionsbetriebe, die regelmäßig größere Mengen gehärteter Teile anlassen. Wer mehr Temperaturreserve braucht, findet mit dem SNOL 1000/750 die 750-°C-Variante in gleicher Größe.
Technische Daten des SNOL 1000/650 ansehen
5. SNOL 2200/650: Anlassofen für die Serienproduktion
2200 l · Tmax 650 °C · Kammer 1000 × 1500 × 1500 mm · 45 kW
Für hohe Durchsätze und schwere Chargen, etwa in der Zuliefer- und Getriebeindustrie. Die große Kammertiefe erlaubt es, mehrere Chargiergestelle hintereinander einzusetzen oder lange Bauteile wie Wellen und Profile anzulassen. Wer sehr schwere Einzelteile per Kran beladen möchte, sollte zusätzlich die Herdwagenöfen in Betracht ziehen.
Technische Daten des SNOL 2200/650 ansehen
Alle weiteren Größen von 125 bis 4800 Litern in den Temperaturstufen 250, 350, 450, 650 und 750 °C finden Sie in der Übersicht der Umluft-Kammeröfen und unter allen Industrieöfen.
Typische Fehler beim Anlassen
- Zu langes Warten nach dem Härten: Gehärtete, nicht angelassene Teile können über Nacht Spannungsrisse bekommen.
- Haltezeit ab Ofentemperatur statt ab Kerntemperatur gemessen: Dicke Teile sind dann innen nicht ausreichend angelassen. Ein Chargenthermoelement schafft Klarheit.
- Zu dicht gepackte Chargen: Die Umluft erreicht nicht alle Teile, die Temperaturverteilung wird ungleichmäßig und die Härte streut.
- Anlassen im Versprödungsbereich: Wer ohne Blick ins Datenblatt bei 300 °C anlässt, erhält unter Umständen geringere Zähigkeit als bei 200 °C.
- Nur einmal angelassen: Bei hochlegierten Werkzeugstählen bleibt dann spröder Neumartensit im Gefüge.
- Ofen ohne Umwälzung für niedrige Temperaturen: Ein reiner Strahlungsofen erzeugt bei 200 °C große Temperaturunterschiede in der Charge.
- Keine Dokumentation: Ohne Temperaturaufzeichnung lassen sich Reklamationen kaum nachvollziehen und Audits nicht bestehen.
Häufige Fragen zum Anlassofen
Was ist der Unterschied zwischen Anlassen und Vergüten?
Anlassen ist das Erwärmen gehärteten Stahls unterhalb der Umwandlungstemperatur. Vergüten bezeichnet die Kombination aus Härten und anschließendem Anlassen bei höheren Temperaturen, meist etwa 500–700 °C, mit dem Ziel einer hohen Festigkeit bei guter Zähigkeit. Welche Temperatur braucht ein Anlassofen?
Für das Niedrigtemperatur-Anlassen genügen 250–450 °C. Wer auch vergütet, Warmarbeitsstähle anlässt oder spannungsarm glüht, sollte einen Ofen bis 650 °C oder 750 °C wählen. Warum hat ein Anlassofen einen Umwälzventilator?
Unter etwa 600 °C ist die Wärmestrahlung zu schwach, um eine Charge gleichmäßig zu erwärmen. Die erzwungene Luftumwälzung überträgt die Wärme per Konvektion auf alle Oberflächen, sorgt für eine gleichmäßige Temperatur und verkürzt die Durchwärmzeit. Wie lange dauert das Anlassen?
Als Faustregel gelten mindestens ein bis zwei Stunden Haltezeit nach vollständiger Durchwärmung, bei dicken Querschnitten etwa eine Stunde je 25 mm Wanddicke. Hochlegierte Werkzeugstähle werden zwei- bis dreimal angelassen. Kann ich einen Härteofen auch zum Anlassen nutzen?
Grundsätzlich ja, aber mit Einschränkungen. Hochtemperaturöfen ohne Umwälzung erreichen im unteren Temperaturbereich meist keine gute Temperaturgleichmäßigkeit, und der Ofen ist während des Anlassens für das Härten blockiert. In der Praxis arbeiten deshalb ein Härteofen und ein separater Umluft-Anlassofen im Tandem. Welche Anlassfarbe entspricht welcher Temperatur?
Bei unlegiertem Stahl entspricht Strohgelb etwa 220 °C, Braun etwa 250 °C, Purpur etwa 260 °C, Violett etwa 280 °C und Kornblumenblau etwa 300 °C. Die Farben sind nur Richtwerte und hängen auch von Haltezeit und Legierung ab. Kann ein Anlassofen auch für Aluminium oder Kunststoffe genutzt werden?
Ja. Ein Umluftofen im Bereich bis 250–650 °C eignet sich auch zum Warmauslagern von Aluminiumlegierungen, zum Tempern von Kunststoffteilen, zum Aushärten von Verbundwerkstoffen und zum Vorwärmen vor dem Schweißen.
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